Kurzgeschichte: Vergessene Liebe (2004)

erschienen in


Besteht die Liebe
ISBN 3-931918-09-2
136 Seiten (vergriffen)
2004 - ferber verlag, Köln


Darin besteht die Liebe:
dass sich zwei Einsame beschützen
und berühren und miteinander reden.

Rainer Maria Rilke

Leseprobe:

Den Antrag an die Krankenkasse hatte sie in den Briefkasten eingeworfen. Verzweifelt suchte sie den Weg zurück und fand ihn nicht mehr. Jan entdeckte sie Stunden später weinend wie ein kleines Kind auf einer Bank im Park. Zurück in ihrer Wohnung hörte sie Renate durchs Treppenhaus rufen: “Wir müssen sie einschließen, zu ihrem eigenen Schutz!” Jans Stimme ließ die Wände zittern: “Mein Haus wird für meine Mutter nicht zum Gefängnis!” “Was meinst du denn, was es für mich ist?”, brüllte Renate zurück. Lauter als dieser Streit war das kalte Schweigen danach gewesen. Wochen hielt es an. Es dröhnte so sehr in ihren Ohren, dass ihr Trommelfell zu platzen drohte.

Buchkritik:
Ja, sie besteht. Rein sprachlich jedenfalls ... AutorInnen haben es bekanntlich schwer mit der Liebe. Bei einem Gefühl, das jeder kennen will, aber kaum einer letztlich beschreiben kann, gilt es, geschickt zwischen Sex, Anbetung und Kitsch die richtigen Zwischentöne zu finden. Die AutorInnen der Anthologie „Besteht die Liebe" fanden sie ... anrührend und in eben jenen wohltuenden Zwischentönen. Gemeinsam schrieben sie eine Anthologie für Verliebte und vor allem für Liebende.
(Amazon.de - 9.10.2003)