Kurzgeschichte: Die schöne Magdalena (2007)

erschienen in

 
Die
Farbe der Kindheit
ISBN: 3-931918-66-1
136 Seiten / EUR 13,-
2007 - ferber verlag, Köln

Leseprobe:
... Elke konnte ihren Kopf kaum noch alleine heben, so schwach war sie. Ich setzte das Glas an ihre Lippen. Das meiste Wasser lief an ihrem Mund vorbei. Als Mutti zurückkam, war meine Schwester ohnmächtig. Es dauerte eine Ewigkeit bis der Notarzt kam. Fremde liefen hektisch durch unsere Wohnung. Ich wollte helfen, doch stieß dauernd gegen Beine. Elke lag regungslos auf der Liege, als sie zum Krankenwagen getragen wurde. Mutti hielt ihre Hand. Dann erschallte das Martinshorn, entfernte sich langsam und wurde immer leiser, bis es ganz verklang.
Stille. Kein Geräusch war mehr zu hören, nur das Ticken der Küchenuhr. Ich war alleine. Ängstlich saß ich im Flur auf dem Fußboden und weinte in mich hinein. Irgendwann schrie ich um Hilfe in meiner Not, immer lauter bis ich zu kreischen begann.
Endlich klopfte jemand und rief: „Hallo, kann ich dir helfen?“ Erleichtert öffnete ich die Wohnungstür und hätte sie am liebsten sofort wieder zugeworfen. Denn dort stand ...

Kurzbescheibung auf "amazon.de":
Viele Erinnerungen, Erlebnisse und Empfindungen aus unserer Kindheit haben wir uns bis in die Gegenwart erhalten. 41 Autorinnen und Autoren erzählen vom Zauber der frühen Jahre, der Kindheit als Zauber der Erstmaligkeit, von Wahrheiten und Lügen, von Freuden und Ängsten und vielem mehr.

Buchkritik:
Mit allen kindlichen Sinnen
... In der „nur“ 130 Seiten umfassenden Anthologie mit dem Titel „Die Farbe der Kindheit“ wird vor allem jüngere deutsche Geschichte – wahr genommen mit allen kindlichen Sinnen - in 30 Prosatexten und einigen Gedichten dargeboten. Emotional aber nie sentimental, subjektiv und dennoch übertragbar auf andere Kriegs-, vor allem Nachkriegs- und Friedenskindheiten kommen die Episoden, kurzen Erzählungen und lyrischen Momentaufnahmen daher. Anrührend ohne rührselig zu sein und damit äußerst sensibel helfen sie verstehen, welche späteren Erwachsenenleben aus jenen unmittelbar nachfühlbaren Kindheitserinnerungen folgen mussten. Texte von insgesamt 41 Autorinnen und Autoren der Geburtsjahrgänge 1930 bis 1982, mit offensichtlichem literarischen Gespür ausgewählt und zusammengestellt ..., ergeben bei aller Verschiedenheit ein Großes und Ganzes. Einzelne Autorinnen und Autoren hervorzuheben, bedeutet andere, deren Beiträge mindestens genauso gelangen, zurück zu setzen .... Leserinnen und Leser, die sich unmittelbar in Personen und Persönlichkeiten, erwachsene wie kindliche, hineinlesen wollen, finden in diesem Buch eine Lektüre, die sich nicht nur einmal zu lesen lohnt.
(Die Leselupe - die größte deutschsprachige Literaturplattform - 17.1.2007 - www.leselupe.de)